Elitetipp Jan 2004: Die Postenbeschreibung benutzen von Ingo Horst

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Elitetipp Januar: Die Postenbeschreibung benutzen


Obwohl sich fast jeder Orientierungsläufer die Postenbeschreibung zum Wettkampf mitnimmt, scheint nicht selbstverständlich zu sein, sie auch zu benutzen. Ausreden wie „in Deutschland ist der Postenstandort eindeutig“ gibt es oft. Dabei kann man viel Zeit gewinnen, wenn man die Postenbeschreibung richtig verwendet. Denn die dort gegebenen Informationen sagen viel mehr aus, als es auf den ersten Blick scheint.

Neben den ganz objektiven Daten des Postenobjekts sagt die Postenbeschreibung auch viel über Lauftaktik und benötigte Orientierungstechnik, was für den Eliteläufer sehr wichtig ist.


Inhaltsverzeichnis

Vorbereitung

Postenbeschreibung

bild: 0401 Postenbeschreibung nutzen_Bild 1.jpg

Ein „Muss“ ist es, sich vor dem Wettkampf die Postenbeschreibung genau anzuschauen.

Es fängt mit den Codenummern an: Sind sie in einer Reihe oder gibt es „ungewöhnliche“ Nummern, die einen während des OLs aus dem Rhythmus bringen können? Ist der letzte Posten wie gewohnt die „99“ oder eine andere Nummer? Wie viele Posten hat man überhaupt? Gibt es Kameraposten, die einen nervös machen könnten? Welche Postennummer könnte der Zuschauerposten haben? An welchen Posten gibt es Getränke? Ist der Weg vom letzten Posten ins Ziel markiert?

Manchmal kommen seltene Symbole vor, die man nicht kennt und nachschauen muss.

Oft gibt es auch Auffälligkeiten, die einen Posten schwierig machen können und für die man gleich ein wenig „Extra- Aufmerksamkeit“ einplanen kann, z.B. bei Stein 0,1m, Lichtung bewachsen, undeutliche Mulde, nordöstliche Grabengabelung. Durch die Richtungsangabe bei der Grabengabelung wird z.B. angezeigt, dass es wohl noch andere Grabengabelungen im Umkreis gibt!

anderseits gibt es auch andere Posten., die man eher mit Vollgas angehen kann: Wurzel 3m, Felsturm Nordseite 20m, Wegkreuzung,...


Das Postenobjekt und die Objekthöhe

Zunächst einmal: das Postenobjekt (dort, wo der Posten steht) zu kennen ist Pflicht, wenn man in Postennähe kommt.

Aber wie man sieht, spielt neben der Kenntnis des Postenobjekts vor allem seine Größe eine entscheidende Rolle. Einen Wurzelteller von 4m Höhe kann man anders (nämlich schneller und „sorgloser“) anlaufen als einen von 1m Höhe. Vor allem in Gebieten mit mehreren Wurzeltellern, Steinen, etc kann man anhand der Höhenbeschreibung oft das richtige Objekt mit einem Blick ins Gelände sofort finden.


Der genaue Postenstandort

Eine andere wichtige Angaben ist die Beschreibung des Postenstandortes am Objekt (die Seite, wo er steht). Das sind solche Zusätze wie Nordseite, oben, Fuß,... . Wer einmal so wie ich bei einem Weltcuplauf in Irland mehrmals über eine Minute gebraucht hat, um einen „kleinen Hügel“ zu umrunden, der weiss, wovon ich spreche. Man kann viel Zeit verlieren! Bei guten Wettkämpfen soll der Standort immer dann angegeben sein, wenn das Postenobjekt den Posten von mindestens einer Seite verdecken könnte.

Oft steht der Posten aus der Laufrichtung gesehen hinter dem Objekt. Das erkennt man aus der Postenbeschreibung, In diesem Fall ist es wichtig, dass man also weiß, dass man zuerst das Objekt sieht, ohne den Posten selbst zu entdecken.

Wenn aber aus der Postenbeschreibung hervorgeht, dass er in Laufrichtung steht gibt es nur eine Taktik: Vollgas. Manchmal kann so etwas sogar in die Routenwahl oder dann die Fehlertaktik eingehen, wie z.B. bei „Felswand 3m Fuß“ oder „Felswand 3m obenauf“ klar wird.


Himmelsrichtung

Gerade mit den Himmelsrichtungen tut man sich aber während des Laufes schwer: Die Karte hält man in die Laufrichtung und wo Nordosten oder Südwesten ist ist einem eigentlich ein ziemliches Rätsel. Beziehungsweise es ist einem ziemlich egal, um seinen OL zu machen.

Auch damit hatte ich lange Zeit Probleme, was ich dann aber mit einem simplen „Trick“ löste: Ich merke mir, wo der Pfeil, der die Himmelsrichtung des Postenstandortes symbolisiert hinzeigt: in Schreibrichtung der Codezahl auf der Postenbeschreibung (also Osten) oder genau entgegengesetzt, nach oben (Norden) oder nach unten,... Ob das jetzt also Süd heißt oder Ost, das spielt keine Rolle. Wichtig für mich ist die Position des Pfeiles im Verhältnis zur Schrift. Auf der Karte steht ebenfalls eine Zahl am Posten. Auf den ersten Blick erkenne ich also, wo der Posten stehen soll.


Im Wettkampf und Training

Schön und gut, aber man hat ja beim Orientierungslauf auch noch andere Sachen zu tun, als sich mit der Postenbeschreibung zu beschäftigen. Zum Beispiel orientieren. Wie schafft man es also am besten, beides zu tun?

Zunächst einmal ist auch hier Übung angesagt. Nur wer fast schon automatisch die Postenbeschreibung beachtet hat genügend Zeit, alle Dinge zu beachten. Eine gute „Synchronisation“, wie man es pseudowissenschaftlich bezeichnen könnte, ist der Schlüssel. Also gilt: Auch im Training mit Postenbeschreibung.

Rechtzeitig bevor man in die Nähe des Postens kommt sollte man auf der Karte wissen, wo er steht. Es ist also nicht sinnvoll, sich die Postenbeschreibung durchzulesen und zu merken! Besser ist es, auf der Karte anzuschauen, wo genau der Posten steht! Denn das Gehirn braucht viel weniger Energie, sich ein Bild zu merken, als wenn es einen ganzen Satz lernen muss.


Das gesagt gilt, wie ich denke, vor allem für den klassischen OL. Etwas anderes ist es sicher im Park-OL, wo ein zu genauer Blick auf die Beschreibung oft eher zu Zeitverlust führen kann. Das heißt aber gerade, dass eine genaue Kenntnis der Postenbeschreibung im Voraus hier besonders wichtig ist! Nur wer sich mit einem kurzen Blick erinnert, wo der Posten genau steht, kann ihn in schnellstmöglicher Zeit finden.


Autor

Ingo Horst

A- Kader Orientierungslauf



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