Gedichte
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Orientierungslauf
von Fritz Trampusch
Wer nie durch Disteln, Dornen lief
und laut nach einem Posten rief,
wer nie durchs Unterholz gekrochen,
wen keine Wespe je gestochen,
wen nie gesucht am falschen Ort
der kennt nicht diesen schönen Sport.
Karte lesen, Richtung messen,
Schritte zählen nicht vergessen,
kräftig schnaufen, Kompass drehen,
unter alle Büsche sehen,
Sumpf durch waten, leise fluchen,
nebenbei noch Beeren suchen...
Das von jung und alt betrieben
Mit viel Spaß und viel Vergnügen,
kreuz und quer, hinab, hinauf-
nennt sich "Orientierungslauf"!
Wie der Weihnachtsmann zum OL kam
von Henning Düsterhöft
Neulich lief ich durch den Wald,
Als hinter mir 'ne Glocke erschallt.
Es war ein gar wundersam Geläut',
Machte mich bange und doch erfreut.
So war es kurz vor Posten Vier,
Da stand der Weihnachtsmann neben mir.
Erst dacht' ich ja, es wär ein Geist,
Denn ich glaubte nicht an den, der Ruprecht heißt,
Doch er sprach "Ho ho ho, du siehst recht,
Ich bin's, der gute Knecht!"
Mir war nicht ganz wohl in meiner Haut,
Als er mir tief in die Augen geschaut.
"Ach hilf mir bitte, braver Mann,
Ich hab mich verlaufen in diesem Getann!"
Eigentlich war mir dies gar nicht lieb,
Die Zeit war's, die mich weiter trieb.
Ich sagte "Ruprecht, mir fehlt die Kraft,
Ich laufe gerade Meisterschaft.
Das kannst Du doch mit mir nicht machen..."
Doch er fing herzhaft an zu lachen.
"Was ist schon Dein verpasster Sieg
Gegen Hunger, Elend und Krieg?
Hilf mir, den Kindern Glück zu bringen,
Damit sie wieder lachen und singen.
Du hast doch eine Karte in Händen
Mit deren Hilfe wir aus dem Walde fänden."
Ich wollte mit dem Herrn keine Fehde
Und was blieb mir übrig nach moralischer Rede?
Doch dann kam mir die rechte Idee;
Ich sagte "Ruprecht, nun seh!
Schau doch mal auf Deine Figur:
Du bist ja auch nicht der Dünnste nur!
Ein bisschen Bewegung täte Dir gut.
Nun schnapp' Dir all Deinen Mut
Und renn' mit mir die Strecke zu Ende,
Diesen Kompromiss gerecht ich fände!"
Da der Weihnachtsmann bekanntlich weise,
Sprach er schließlich, wenn auch leise:
"Nun gut, ich will es versuchen;
Bringst Du mich hier raus, bekommst Du Kuchen!"
So liefen wir also zusammen weiter,
Der Weihnachtsmann blieb sogar heiter.
Er war zwar nicht sonderlich schnell,
Doch beharrlich hing er an meinem Fell.
Wir konnten also nach einigen Meilen
Gemeinsam die Ziellinie übereilen.
Nun gut, für den Sieg reichte es nicht mehr,
Dafür war Ruprecht einfach zu schwer.
Ich merkte jedoch recht schnell:
Er hatte Freude am OL!
Er sagte noch: "Vielleicht komm ich mal wieder
Nach der Zeit der Weihnachtslieder!"
Dann ließ er ein tiefes "Adieu" von sich hören,
Bevor er sich aufmachte zu der Welten Gören.
Verirrungslauf
von Gunther Steinböck
Es laufen Menschen kreuz und quer
im Waldgelände hin und her.
Bisweilen sieht man sie auch gehe
n
und sinnlos im Gelände stehen.
Sie halten Karten in der Hand,
weil meist die Gegend unbekannt.
Oft pendelt auch noch seitwärts lose
ein Kompaß von der Sportlerhose.
Sie rufen, fragen nach den Posten!
Die Auskunft lassen sie sich kosten
vieleicht ein Bier, vieleichtauch zwei,
mag sein, der Biere sogar drei. -
Recht planlos, mal bergab, bergauf,
das ist der Orientierungslauf.
Der Bahnleger
von Wolfgang Grummt
Lang bevor die Läufer starten,
sitzt gebeugt er über Karten;
legt fest - um alles zu verwerfen,
beginnt dann neu - das kostet Nerven.
Im Gelände dann vor Ort,
Änderungen dauern fort.
Kahlschlag, Windbruch, frische Saaten,
all das fordert neue Taten.
Änderungen an der Konzeption
sind für ihn bereits die Regel schon.
Doch die Mühe und die Plage
führt zur richt`gen Bahnanlage.
Wettkampfbahnen wie nach Maß
machen dann den Läufern Spaß.
Es loben Bahnleger und Bahn
die, die als Sieger kommen an.
Andre, die am Posten suchen,
Bahnleger und Bahn verfluchen.
Lob und Tadel in kurzer Zeit
ist Dank für viele Kleinarbeit.
Trotzdem - nicht verzagen,
in den nächsten Tagen
gibt es wieder viel zu tun;
neue Arbeit wartet nun.